Von Volker Zeiger (Text und Foto) Milse (WB). So früh als möglich sollen Kinder fachlich und pädagogisch über sexuellen Missbrauch aufgeklärt werden. Diesem Wunsch der Lehrer und Elternvertreter der Grundschule Milse ist ein Mitmachtheater nachgekommen.
Die Schule engagierte das Theaterlabor Osnabrück mit seinem Projekt »Die große Nein-Tonne«. Die Darsteller Iris Krünger und Michael Schütte spielen in gut einer Stunde vor, was es mit dem Neinsagen auf sich hat, was ungute Gefühle verursacht und wie mit solchen Gedanken umgegangen werden kann. Es sei wichtig, seelischem Kummer rechtzeitig aus dem Wege zu gehen. Alles, was damit zu tun haben könnte, stopfe man in die symbolische Tonne. Es ging aber auch um das, was Ablehnung auslösen kann. Muss man denn die warme Jacke überziehen, auch wenn andere Kinder noch sommerlich gekleidet zur Schule kommen? Sind Süßigkeiten, die den Zahnschmelz zerstören, wirklich tabu? Gewiss, im Übermaß genossen, sind die Bonbons ungesund, verdeutlichten die Schauspieler, die ihre Darstellung immer wieder mit dem eingängigen Lied »fege, fege, lieber Wind in die Tonne, was uns Neingefühle macht, geschwind« untermauerten. Abzulehnen sei es, wenn eine fremde Person zu Mutproben auffordere und ganz schlimm, wenn jemand ein Kind streicheln wolle. Das, so das Mitmachtheater, soll unterbleiben. Es dürfe auch kein Geheimnis bleiben, sondern es müsse darüber mit Vertrauenspersonen gesprochen werden: »Redet mit euren Eltern darüber und die reden mit dem Onkel, der kommt dann bestimmt nicht wieder.« Andererseits weisen die Schauspieler auf Regeln hin, die zwar ärgern, aber nicht in die Tonne gehören: Pünktlich zu Bett gehen und pünktlich aufstehen, nicht den ganzen Tag vor dem Fernseher oder dem Computer sitzen. Michael Schütte: »Geht besser raus an die Luft und habt Spaß. Das Stück thematisiert sexualisierte Gewalt. »Mit dem Theaterprojekt engagiert sich die Grundschule Milse gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern«, bekräftigt Schulpflegschaftsvorsitzende Cäcilia Fabian-Littmann. Schulleiterin Angelika Lienenlüke unterstützt die Aufführungen an der Schule, die erstmals die zweiten Klassen einbezog. Auch diese sollten spielerisch lernen, in unangenehmen Situationen Mut zu fassen und nein zu sagen. Die Kosten der bisherigen Aufführungen beliefen sich nach Angaben der Schule auf rund 1000 Euro. Finanziert wurden sie aus der Kasse der Schulpflegschaft und über die Sparkassen-Stiftung. »Leider sind die Mittel für das Schuljahr 2010/11 noch nicht gesichert, so wird es schwer, dieses Projekt an der Schule jedes Jahr für alle Zweitklässler einzurichten«, erinnerte die Schulpflegschaftsvorsitzende. Gewiss werbe der Verein - auch um Mitglieder. Vielleicht finde sich aber noch der ein oder andere Sponsor mit einer Spende, die nicht wehtue. www.tpw-osnabrueck.de